Home :: Vorträge :: 20.02.2009 - Welchen Gefahren ist der Gottesfürchtige ausgesetzt?
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Redner: Hojjatoleslam Dr. S. M. N. Taghavi

Welchen Gefahren ist der Gottesfürchtige ausgesetzt?

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
 
Lobpreis gebührt Gott, dem Herrn der Welten, Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.
Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.
 
 Hindernisse und Gefahren für die Gottesfurcht
 
Der kluge und erfahrene Mensch versucht in der Regel, alle Hindernisse zu ergründen, die ihn am Erreichen eines wertvollen Schatzes und eines vortrefflichen Zieles hindern können. Wenn dieser wertvolle Schatz die Gottesfurcht und Frömmigkeit ist, dann sagt uns die Vernunft, dass wir alle möglichen Schwierigkeiten und Hindernisse, die uns das Erreichen dieses Zieles erschweren können, identifizieren müssen. Haben wir einen wertvollen Schatz in Händen, sagt uns die Vernunft, dass wir diesen Schatz vor Gefahr und Schädigung schützen müssen. Demgemäß wird derjenige, der auf einer gewissen Stufe der Frömmigkeit angelangt ist, weiter darum bemüht sein, eine noch höhere Stufe der Frömmigkeit zu erreichen. Gleichzeitig muss er aber auch bedacht sein, den erreichten Zustand zumindest beizubehalten und nicht auf eine niedrigere Stufe zurückzufallen, d. h. er muss sich der Gefahr der Verderbtheit bewusst sein und sich davor schützen.
 
Was sind nun die Hindernisse und Schwierigkeiten für einen gottesfürchtigen Menschen? Gleichzeitig wollen wir auch sehen, inwieweit und welche Art von Verderbtheit den Menschen gefährden, der eine gewisse Stufe der Frömmigkeit erreicht hat. In den islamischen Überlieferungen wurden diese Gefahren und Hindernisse erwähnt, wie z. B. den diesseitigen Angelegenheiten die volle Konzentration und das uneingeschränkte Interesse zu widmen. Imam Ali (a.s.) sagte:
 
„Frömmigkeit hat keinen Platz im Herzen desjenigen, der nur am Diesseits interessiert ist.“ (³urar al-¼ikam)
 
Das bedeutet, dass derjenige, der nur dem diesseitigen Leben Aufmerksamkeit schenkt und dessen Interesse allein dem Diesseits gilt, in seinem tiefsten Inneren keinen Platz für Gottesfurcht und

 
Frömmigkeit hat. Das heißt aber nicht, dass man seine Verantwortung gegenüber den diesseitigen Dingen vernachlässigen soll, sondern vielmehr, dass man darauf achtet, das Diesseits nicht zu seinem höchsten und letzten Ziel zu machen. Diese Welt ist das Mittel, mit dem man ein höheres und wertvolleres Ziel erlangen kann, d. h. das Jenseits und die Spiritualität. Das Diesseits und alles, was dazu gehört, sollen wie eine Leiter sein, auf der man zur höchsten Stufe der Spiritualität und Vollkommenheit emporsteigt. Sein Interesse allein auf das Diesseits zu richten, würde hingegen bedeuten, dass man, weil man auf das Dach des Hauses gelangen möchte, eine Leiter aufstellt und über die Beschäftigung mit der Leiter das eigentlich Ziel, nämlich auf das Dach zu gelangen, vernachlässigt und vergisst. Die Leiter soll nicht Teil der Planung sein, sondern nur ein Mittel, mit dessen Hilfe man das eigentliche Ziel erreichen kann, wie Imam Ali betonte:
 
„Diese Welt wurde für einen anderen Zweck erschaffen und nicht um ihretwillen.“
(Nahºu-l-BalÁ™a, Weisheitsspruch Nr. 463).
 
Von ihm ist weiterhin überliefert, dass er sagte: 
 
„O ihr Menschen, das Diesseits ist nur ein Durchgangsort, und das Jenseits ist der Ort des Verweilens und des ewigen Lebens. Deshalb nehmt aus dem flüchtigen Diesseits die Wegzehrung für das Jenseits mit.“
 
Diese Welt ist demnach wie die Leiter aus dem zuvor genannten Beispiel, die uns nützt, wenn man sie zum Hochsteigen benutzt, aber nicht zum eigentlichen Ziel erklärt. Das ist ein wichtiger Aspekt der islamischen Lehre. Einerseits wird die Konzentration des Menschen auf das Diesseits negiert, und gleichzeitig werden die Flucht vor der Verantwortung und die völlige Entsagung abgelehnt. In der Ansprache 209 der Nahºu-l-BalÁ™a wird beschreben, dass Imam Ali sich über den Gesundheitszustand seines Gefährten al-þAlÁ ibn ZiyÁd al-¼ÁriÝÍ erkundigen wollte, und als er in dessen prachtvolles Haus ging, sagte er: „Was willst du mit diesem prachtvollen Haus in dieser Welt tun, wo du doch dieses Haus im Jenseits viel nötiger brauchst? Wenn du es ins nächste Leben mitnehmen willst, sollst du darin Gäste empfangen und dich um die Verwandtschaft kümmern und deine Verpflichtungen erfüllen. Dieses Haus kann eine Leiter sein, mit der du ins Jenseits gelangen kannst.“ Als dieser Mann sich daraufhin über seinen Bruder þÀÈim ibn ZiyÁd beschwerte, weil dieser wie ein Asket lebte, sagte Imam Ali zu diesem: „O du Feind deiner selbst. Gewiss hat der Satan dich irregeführt. Denkst du nicht an deine Frau und deine Kinder? Meinst du denn, wenn du die Segnungen nutzt, die Gott dir erlaubt hat, wird Er dich nicht mögen?“
 
Hier sehen wir, dass Imam Ali den Punkt hervorhebt, dass derjenige, der sich allein auf das Diesseits konzentriert, in seinem Herzen keinen Platz für Gottesfurcht und Frömmigkeit findet. Wenn diese Welt für jemanden nicht das Hauptziel ist, und ihm gesagt wird, dass er morgen diese Welt verlassen muss, wird ihm das nicht schwer fallen. Das ist genauso wie wenn man jemandem sagt, dass er, nachdem er zehn Sprossen der Leiter hochgestiegen ist, bequem auf das Dach gehen kann, und dieser einfach die Leiter verlässt. Die islamischen Überlieferungen zeigen deutlich auf, dass das starke Interesse am Diesseits das größte Hindernis für wahre Gottesfurcht ist. Im Gegensatz dazu kann sich die Gottesfurcht umso besser entwickeln, je größer das Desinteresse an weltlichen Dingen wird. In einem anderen Ausspruch von Imam Ali heißt es:
 
„Löse die Verbundenheit an diese Welt und unterstütze dich selbst mit der Wegzehrung der Gottesfurcht.“ (Nahºu-l-BalÁ™a, Ansprache Nr. 204).
 
Ein weiterer Grund, der den Menschen verdirbt und seine Frömmigkeit und Gottesfurcht zerstört, ist der Sieg der Neigungen im Inneren des Menschen, wie Imam Ali betont. Dieser Trieb kann sich z. B. in Form von Macht- oder Geldgier zeigen. Feindseligkeit gegenüber anderen ist eine weitere Ursache, die Frömmigkeit und Gottesfurcht erschwert, insbesondere wenn sie mit Feindschaft, Aggression und Gewalt einhergeht. In den islamischen Überlieferungen wird darauf hingewiesen, dass derjenige, der fromm und gottesfürchtig sein möchte, Feindschaft und Feindseligkeit von sich fernhalten soll. Feindseligkeit und Feindschaft ist das größte Hindernis für Frömmigkeit. Wenn das Herz von Feindschaft erfüllt ist, kann das Geschenk der Gottesfurcht dieses Herz nicht erreichen. Aus der Erde der Feindschaft und Feindseligkeit wird keine Blume der Frömmigkeit sprießen und erblühen können. Ein solcher Mensch kann die Stufe der Gottesfürchtigen nicht erreichen und nicht in das Paradies der Frömmigkeit eintreten, weil er mit seinen Füßen im tiefen Morast der Feindschaft versunken ist. Deshalb sagte Imam Ali:
 
„Jemand, der mit anderen streitet, kann nicht gottesfürchtig sein.“
(Nahºu-l-BalÁ™a, Weisheitsspruch Nr. 298).
 
Andererseits ist der gottesfürchtige und fromme Menschen grundsätzlich immer freundlich zu den Menschen. Im Herzen der frommen Menschen ist kein Zeichen von Feindschaft vorhanden. Er liebt alle Lebewesen, weil sie Geschöpfe Gottes sind. Jemand, der in seinem Herzen Hass für jemanden empfindet, kann sein gutes Benehmen Gott gegenüber nicht verwirklichen, weil Gott alle Lebewesen liebt. Von Imam ¼asan al-þAskarÍ (a.s.) stammt der Satz:
 
„Die Frömmigkeit den Menschen gegenüber ist ein Teil der Frömmigkeit Gott gegenüber.“ (Bi½Ár al.-AnwÁr, Bd. 78, S. 377).
 
Die Frömmigkeit Gott gegenüber soll sich in Wort und Tat den Menschen gegenüber zeigen. Es ist sehr wichtig, seine Zunge zu kontrollieren und darauf zu achten, was man sagt. Deshalb hat Imam Ali hervorgehoben, dass jemand nicht fromm ist, wenn er keine höfliche Sprache gebraucht, d. h. die Frömmigkeit eines solchen Menschen hat keinen Nutzen, wenn er in seiner Sprache nicht die Höflichkeit bewahrt. Er sagte weiter:
 
„Bei Gott! Ich sehe nicht, dass die Gottesfurcht einem frommen Menschen nutzt, sofern er nicht auf seine Äußerungen achtet.“ (Nahºu-l-BalÁ™Á, Ansprache 176).
 
Deshalb wird jemand, der nicht auf seine Worte und was sie bewirken können, achtet, niemals wahrhaftige Frömmigkeit erreichen können. Die Sprache eines wahrhaft frommen und gottesfürchtigen Menschen muss hinter seiner Vernunft und seiner Erkenntnis verborgen sein, wie es in der zuvor genannten Ansprache weiter heißt:
 
„Wahrlich, die Zunge eines Gläubigen ist hinter seinem Herzen gelegen.“
 
Zusammenfassend gesagt sind also die wichtigsten Gefahren und Schwierigkeiten für die Frömmigkeit:
  1. Großes Interesse am Diesseits und Weltverbundenheit.
  2. Sieg der triebhaften Neigungen über den Menschen.
  3. Streitigkeiten und Feindschaft mit anderen Menschen.
  4. Unüberlegtes Reden.
 
Wir hoffen, dass Gott, der Erhabene, uns die Möglichkeit und Kraft gewähren möge, uns von den genannten Gefahren fernzuhalten, damit wir den Schatz der wahren Frömmigkeit erreichen können.
 
Das Thema der Gottesfurcht und Frömmigkeit wurde heute sehr ausführlich erörtert, so dass wir das Thema der Toleranz mit Gottes Hilfe bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit fortführen werden. Gott helfe uns, dass wir alle zu den wahrhaft gottesfürchtigen Menschen gehören mögen! Und der Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und Seine Segnungen
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