Home :: Vorträge :: 30.01.2009 - Toleranz in den himmlischen Religionen (Teil 19)
Kommentare: 0
Redner: Hojjatoleslam Dr. S. M. N. Taghavi

Toleranz in den himmlischen Religionen (Teil 19)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
 
Lobpreis gebührt Gott, dem Herrn der Welten, Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.
Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.
  
Frömmigkeit ist die Ursache für die Zufriedenheit Gottes
 
Wenn man wissen möchte, was die Ursache für die Zufriedenheit Gottes, des Erhabenen, ist und welche Taten Seine Zufriedenheit bewirken, muss man wissen, dass an der Spitze aller Taten zunächst die Frömmigkeit und die Gottesfurcht stehen. Es ist die Zufriedenheit Gottes, die dem Menschen letztlich das Paradies zuteil werden lässt. Von Imam Ali (a.s.) ist überliefert, dass er sagte:
 
„Der edle Prophet (s.a.s.) wurde gefragt: ‚Was sind die wichtigsten Gründe für den Eintritt ins Paradies?’ Der edle Prophet (s.a.s.) antwortete: „An erster Stelle stehen Frömmigkeit und Gottesfurcht, und danach kommen gute Moral und der gute Umgang mit den Menschen.’“
(Oyun Akhbar ar-Riza, Bd. 2, S. 38). 
 
Glückselig sind jene, die gottesfürchtig und fromm sind und die einen freundlichen Umgang mit den Menschen pflegen. Solche Menschen verhalten sich auch Gott gegenüber sehr höflich, und die Höflichkeit Gott gegenüber erfordert auch die Höflichkeit den Menschen gegenüber.
  
Im Rahmen unserer Diskussion des Toleranzbegriffes haben wir zuletzt über die negativen Auswirkungen der Intoleranz gesprochen und festgestellt, dass aus Intoleranz letztlich Schwierigkeiten und unangenehme Ergebnisse für den Menschen resultieren. Nachfolgend sollen nun die positiven Zeichen der Toleranz im Leben und in der Ethik des Menschen aus der Sicht der islamischen Überlieferungen dargestellt werden.
 
 Der positive Nutzen der Toleranz aus der Sicht der Überlieferungen
 
Alle Überlieferungen, in denen von den negativen Auswirkungen der Intoleranz die Rede ist, weisen auch auf das Gegenteil intoleranten Verhaltens hin und betonen, dass der Mensch, der Toleranz übt, nicht den negativen Aspekten der Intoleranz ausgesetzt ist. In einigen Überlieferungen wurden die positiven Effekte dieses toleranten und nachsichtigen Verhaltens angesprochen, von denen wir nun einige erwähnen wollen.
 
1. Schutz vor Feindschaft und Arglist
 
Von Imam Ali (a.s.) wurde überliefert:
 
„Begegne den Menschen aller Schichten mit Toleranz,
damit du vor den Gefahren, die sie für dich schaffen können, geschützt bist.“ (Ghurar al-Hikam).
 
In einem anderen Ausspruch von ihm heißt es:
 
„Empfange die Menschen mit Freundlichkeit, damit ihre Feindschaft erlischt.“
(Ghurar al-Hikam).
 
Das heißt, dass vor der Feindseligkeit und Böswilligkeit der Menschen sicher ist, wer mit ihnen nachsichtig und tolerant verfährt.
 
2. Erfolg im Umgang mit den Menschen und Festigung von Freundschaften
 
Imam Ali (a.s.) hat auch auf folgenden Aspekt hingewiesen:
 
„Begegne den Menschen mit Toleranz, damit du in den Nutzen ihrer Freundschaft kommst.“
(Ghurar al-Hikam).
Er führte weiter aus:
 
„Die Waffen eines gläubigen Menschen sind die freundliche Sprache und die Zufriedenheit, und das Zeichen seiner Vollkommenheit ist die Toleranz.“ (Usul al-Kafi, Bd. 2, S. 48).
 
Ein gläubiger Mensch spricht demnach freundlich und beleidigt niemanden mit seinen Äußerungen. Die Zufriedenheit der anderen spielt für ihn eine große Rolle, und er ist um die Zufriedenheit der anderen bemüht; umgekehrt ist er mit den anderen zufrieden, an die er keine Erwartungen stellt. Er verfährt nicht harsch mit den Menschen, sondern sein Verhalten gründet auf Nachsicht und Toleranz. Die Ergebnisse eines solchen Verhaltens sind Erfolg und die Freundschaft mit den anderen; dies gehört zu den Früchten des Baumes der Toleranz.
 
 3. Vollkommenheit im Glauben
 
Wer in seinem Leben tolerant ist und in seinem Verhalten den anderen Menschen gegenüber Toleranz übt, der hat nach den Worten des Gesandten Gottes (s.a.s.) die Hälfte seines Glaubens sichergestellt. Deshalb sollen wir bedenken: Wenn wir im Leben nicht intolerant sind, können wir darauf hoffen, im Schutze der Toleranz unseren Glauben vervollständigen zu können. Die Möglichkeit, mittels Toleranz den Glauben vervollständigen zu können, zeigt die große Bedeutung dieser Eigenschaft. 
 
4. Probleme werden leichter
 
Die islamischen Überlieferungen zeigen uns, dass Intoleranz viele Probleme für uns verursacht. Im Unterschied dazu können Toleranz und Geduld den Menschen darauf vorbereiten, besser mit seinen Problemen umgehen zu können. In einem Ausspruch von Imam Ali (a.s.) heißt es:
 
„Geduld lässt Probleme leichter werden.“ (Ghurar al-Hikam).
 
Möglicherweise stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, warum und auf welche Weise Geduld und Toleranz Probleme lindern können. Grundsätzlich verhält es sich so, dass ein Problem weniger schwerwiegend erscheint, wenn man darauf vorbereitet ist, während ein Problem, dem sich der Mensch unvorbereitet gegenübersieht, gravierender erscheint. Das ist vergleichbar mit einem weichen Holz, das sich unter Druck wie eine Feder biegt und wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt, wenn der Druck nicht mehr vorhanden ist. Ein ungeduldiger Mensch gleicht im Gegensatz dazu einem trockenen Holz, das bereits unter geringem Druck bricht. Wer tolerant ist, kann mit problematischen Situationen gut umgehen und das Problem beseitigen. Deshalb stellte Imam Ali (a.s.) fest:
 
„Das Wohlergehen im Leben hängt ab von der eigenen Toleranz.“ (Ghurar al-Hikam).
 
Von Imam Mohammad al-Baqir (a.s.) wurde dieser Ausspruch überliefert:
 
„Der Fortschritt im Leben hängt zu zwei Dritteln von der Klugheit ab und zu einem Drittel von der Toleranz.“ (Bihar al-Anwar, Bd. 46, S. 231). 
 
Diese Feststellung verdeutlicht die Bedeutsamkeit der Toleranz in Verbindung mit Klugheit und Vernunft, die all zusammen ein gedeihliches Leben bewirken.
 
5. Beliebtheit bei anderen Menschen
 
Die positive Wirkung der Toleranz bei einem Menschen besteht aus der Sicht der islamischen Überlieferungen darin, dass ein solcher Mensch, der in seinem Leben und Verhalten tolerant ist, bei den anderen Menschen angesehen ist. Deshalb gab Imam Ali (a.s.) den Menschen die Empfehlung:
 
„Ignoriere die Fehler der anderen, damit dein Verhalten von den anderen angenommen wird.“
(Ghurar al-Hikam).
 
Wer tolerant ist, zeigt seine eigene Größe, und alle werden von ihm und seinem Verhalten beeindruckt sein. Wer jedoch kleinlich und pedantisch ist, der wird immer mit Problemen konfrontiert sein.
 
Mit Gottes Hilfe werden wir diese Thematik bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit fortführen. Und der Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und Seine Segnungen.

pdf iconToleranz in den himmlischen Religionen (Teil 19)