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Erklärung zu den Diskussionen um den Lehrstuhl für Religion des Islam in Münster

Anlässlich der Diskussionen um die die Forschungsergebnisse von Herrn Prof. Dr. Kalisch hat Herr Ayatollah S. A. Hosseini Ghaemmaghami
(Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg, Vorsitzender der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen) eine Erklärung verfasst.
 
 
Die in einigen Reden und Stellungnahmen getroffenen Aussagen des Herrn Prof. Dr. Kalisch von der Universität Münster und die in diesem Zusammenhang stehenden unterschiedlichen Ausführungen haben sowohl bei Muslimen wie auch Nichtmuslimen Fragen aufgeworfen. Ich hatte bevorzugt, dieses Thema persönlich zu besprechen und vorher nicht an die Öffentlichkeit zu treten. Leider ist dieses Gespräch nicht zustande gekommen, so dass aufgrund der aktuellen Entwicklung eine Stellungnahme notwendig erscheint.
Zunächst gilt es festzustellen, dass aus islamischer Sicht die wissenschaftliche Untersuchung und Forschung keine Grenzen hat und jedes Thema untersucht und erforscht werden kann, ohne dass es dabei eine rote Linie gäbe. Religiöse Themen stellen in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Deshalb kann man jemanden niemals im Namen des Islam und des Qur’an an wissenschaftlicher Untersuchung und Forschung und der Bekanntgabe seiner Forschungsergebnisse hindern. Wenn die angewandte Untersuchungs- und Forschungsmethode aus Sicht einer anderen Gruppe falsch sein oder das Forschungsergebnis mit dem Glauben und der Überzeugung anderer im Widerspruch stehen sollte, dann haben diese das Recht, sich zu äußern und das ihrer Meinung nach Falsche zu kritisieren.
Aus verschiedenen qur’anischen Versen geht hervor, dass „Vernunft“ und „Bewusstsein“ dem Glauben und der Überzeugung vorgezogen werden. Aus diesem Grund darf man mit dem Argument, ein Thema betreffe eine von manchen vertretene religiöse Überzeugung, keinem Forscher das Recht auf wissenschaftliche Untersuchung absprechen.
Jede Religion und Konfession - und grundsätzlich jede philosophische Lehre oder Denkschule - kennt bestimmte Grundprinzipien und Normen, die die wesentliche Identität und Substanz der jeweiligen besonderen Religion oder Lehre bilden. Die Verneinung dieser Prinzipien und Normen einerseits und die Betonung auf Glauben und Überzeugung an und von dieser Religion oder Lehre andererseits sind ein Paradoxon. Folglich hat das Bekenntnis zum jüdischen, christlichen und islamischen Glauben oder allgemein zu einer Religion oder Lehre die Akzeptanz der jeweiligen Grundprinzipien und Normen zu beinhalten. Auch der Islam hat wie jede andere Religion ein Mindestmaß an bestimmten Grundprinzipien und Normen, die alle Rechtsschulen und islamischen Gruppierungen ohne die geringsten Meinungsunterschiede teilen. Diese sind der Glaube an die Einzigkeit Gottes, dass Muhammad (s.a.s.) der Gesandte Gottes ist und der Qur’an die göttliche Offenbarung an ihn darstellt.
 
Ayatollah S. A. Hosseini Ghaemmaghami
Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg
Vorsitzender der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen
                          
Hamburg, den 07. Oktober 2008